• jakub2768

Im Alter sicher mit dem Auto unterwegs

Durch jahrelange Teilnahme am Straßenverkehr sind ältere Lenkerinnen und Lenker aufgrund ihrer Erfahrung in der Lage verschiedenste Fahrsituationen gut zu bewältigen. Gleichzeitig nehmen im Laufe der Zeit aber auch bestimmte Fähigkeiten ab, die einen Einfluss auf ein sicheres Fahrverhalten haben [1].


Sehen

Mit zunehmendem Alter lässt das Sehvermögen nach. So nimmt nicht nur die Sehschärfe ab, sondern es verringert sich auch das Sichtfeld. Damit steigt die Gefahr, wichtige Informationen im Straßenverkehr zu übersehen. Zudem verringert sich das Dämmerungssehen und die Blendempfindlichkeit erhöht sich. Dies wirkt sich besonders beim Fahren in der Nacht aus [2].

Eine häufige Alterserscheinung, die beinahe alle Menschen über 70 betrifft, ist der Graue Star. Für Betroffene wirkt die Sicht meist verschleiert oder grau.

Erste Anzeichen einer Verschlechterung des Sehvermögens können häufig schon ab 40 Jahren beobachtet werden [1].


Hören

Ebenso nimmt die Hörfähigkeit im Alter ab. Gemäß WHO leidet rund ein Drittel aller Personen ab 65 Jahren unter Hörbeeinträchtigungen [3]. Diese Beeinträchtigungen können anfangs bei hohen Frequenzen oder der Wahrnehmung von Nebengeräuschen auftreten. Treten Hörprobleme auf, kann dies auch Auswirkungen auf das Autofahren haben. Um sicher unterwegs zu sein, muss die/der Fahrer/in rasch erkennen können, woher ein Geräusch kommt (z.B. Wahrnehmung von herannahemden Fahrzeugen).


Beweglichkeit

Das sichere Lenken eines Fahrzeugs kann auch durch eingeschränkte Beweglichkeit beeinträchtigt werden. Unbeweglichkeit in der Halswirbelsäule kann beispielsweise dazu führen, dass der Schulterblick schwerer fällt, oder gar nicht mehr möglich ist. In weiterer Folge können beim Spurwechsel andere Verkehrsteilnehmende leichter übersehen werden. Steife Gelenke können darüber hinaus zu langsameren Reaktionen, beispielsweise beim Bremsen oder Ausweichen, führen [1]. Studien belegen außerdem, dass auch abnehmende Kraft in Händen und Beinen eine negative Auswirkung auf das Lenken oder die Bedienung der Pedale haben kann [4].


Aufmerksamkeit

Gerade beim Lenken eines Fahrzeugs ist es wichtig, unterschiedliche Dinge, wie andere Verkehrsteilnehmende, Straßenbedingungen oder Verkehrszeichen, gleichzeitig zu beachten (geteilte Aufmerksamkeit). Darüber hinaus müssen aber auch unwichtige Details ausgeblendet werden und es muss auf wesentliche Elemente des Verkehrsgeschehens reagiert werden können (gezielte Aufmerksamkeit).

Im Alter nehmen diese Fähigkeiten nach und nach ab [5] und es wird schwieriger relevante Informationen von unwichtigen herauszufiltern. Deshalb werden komplexe Verkehrssituationen von Älteren häufig als unangenehm wahrgenommen.

Zusätzliche ablenkende Tätigkeiten wie telefonieren oder die Bedienung des Radios führen dazu, dass die Verkehrsumgebung fast gar nicht mehr wahrgenommen wird. Hinzu kommt, dass abgelenkte Personen über 65 Jahren eine dreimal so hohe Reaktionszeit haben wie Jüngere [1].


Reaktionsgeschwindigkeit

Ein schnelles Reaktionsvermögen ist wesentlich, um sicher mit dem Auto unterwegs zu sein. Dafür sind mehrere Fähigkeiten notwendig: Zuerst muss die Gefahr gesehen oder gehört werden. Im nächsten Schritt muss erkannt werden, dass die Situation gefährlich ist und eine Reaktion erfordert. Dann ist eine Entscheidung notwendig, wie gehandelt werden soll. Zuletzt erfolgt die Reaktion selbst. Eine leichte Verlangsamung jeder dieser Fähigkeiten kann in Summe zu einer erhöhten Reaktionszeit führen [6].


Tipps

Man kann Vieles tun, um im Alter weiterhin sicher mit dem Auto zu fahren und altersbedingte Einschränkungen zu kompensieren. Dies reicht von einer Anpassung der eigenen Fahrweise bis hin zur Nutzung von Fahrerassistenzsystemen. Einige Vorschläge sind nachfolgend angeführt.

  • Nehmen Sie regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt und HNO-Spezialisten wahr, um einer Verschlechterung des Sehens oder Hörens rechtzeitig entgegenzusteuern.

  • Beachten Sie, dass eine Sehhilfe nicht alle Veränderungen beim Sehen ausgleichen kann. Trifft dies zu, sollte das Fahrverhalten entsprechend angepasst werden [1].

  • Stellen Sie die Beleuchtung Ihres Armaturenbretts gemäß Ihren Bedürfnissen ein.

  • Falls Sie Schwierigkeiten mit dem Hören haben, halten Sie während der Fahrt den Innenraum des Fahrzeugs so ruhig wie möglich (schalten Sie beispielsweise keinen Radio ein) [7].

  • Regelmäßige Übungen zu Kraft und Flexibilität können helfen, Ihre Reflexe und Ihre Beweglichkeit zu verbessern sowie Schmerzen und Steifheit zu lindern. Dies hat auch positive Effekte auf den Schulterblick und das Bedienen der Pedale und der Lenkung.

  • Lassen Sie ausreichend Abstand zum Fahrzeug vor Ihnen.

  • Vermeiden Sie Ablenkungen während des Fahrens, wie etwa Telefonieren oder das Bedienen von Navigationssystemen.

  • Vermeiden Sie, wenn möglich, Fahrbedingungen, bei denen Sie sich unwohl fühlen. Fahren Sie beispielsweise nicht in der Nacht, bei schlechtem Wetter oder hohem Verkehrsaufkommen, wenn diese Situationen Ihnen Schwierigkeiten bereiten [1].

  • Ein frühzeitiger Umstieg auf ein Fahrzeug mit Automatikgetriebe kann die Bedienung des Fahrzeugs vereinfachen [7].

  • Mit Servolenkung oder Bremsunterstützungssysteme lassen sich darüber hinaus Kraftverlust in Händen oder Beinen zum Teil ausgleichen [4].

  • Auch Fahrassistenzsysteme wie Tempomat oder Spurhalteassistent können Ihnen ein stressfreies Fahren ermöglichen [7].

  • Die Teilnahme an einem Fahrsicherheitskurs stellt eine gute Möglichkeit dar, Ihre Reaktions- und Konzentrationsfähigkeiten beim Fahren wieder aufzufrischen.

  • Fragen Sie Ihren Arzt, ob Ihr Gesundheitszustand oder eines Ihrer Medikamente das Fahren negativ beeinflussen könnte.


[1] Deutscher Verkehrssicherheitsrat e. V. (DVR), (2019). Fit und AUTOmobil - Tipps, Hinweise und interessante Informationen rund um das Thema „Älter werden und AUTOmobil bleiben“.

[2] Weitere Informationen dazu sind im Beitrag Fahren im Dunkeln zu finden.

[3] https://www.who.int/pbd/deafness/news/GE_65years.pdf

[4] Karthaus, M., Willemssen, R., Joiko, S., Falkenstein, M. (2015). Kompensationsstrategien von älteren Verkehrsteilnehmern nach einer VZR-Auffälligkeit. Bericht zum Forschungsprojekt FE 82.364/2009. Bremen, Fachverlag NW.

[5] Polders, E., Brijs, T., Vlahogianni, E., Papadimitriou, E., Yannis, G., Durso, C., Diamandouros, K. (2015). ElderSafe. Risks and countermeasures for road traffic of elderly in Europe. Final report.

[6] AAA Foundation for Traffic Safety, Drivers 65 Plus: Check Your Performance. A Self-Rating Tool with Facts and Suggestions for Safe Driving.

[7] https://www.nia.nih.gov/health/older-drivers

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